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Wie du dir wahrscheinlich schon denken kannst, ist die 4-7-8 keine Rufnummer! Sie ist eine Atemtechnik, die dich entspannt und dich aus dem Überlebensmodus rausholt. Hört sich paradox an, doch versprochen: Am Ende ergibt alles Sinn.

Unsere Körper verfügen über eine eigene Intelligenz. Nicht du sorgst dafür, dass dein Herz schlägt oder dein Essen verdaut wird; dafür ist dein Organismus zuständig. Genauer gesagt, ist es das vegetative Nervensystem, das für deine Herzschläge, dein Immunsystem, deine Verdauung etc. zuständig ist. Auf dieses Nervensystem hast du keinen Einfluss. Das vegetative Nervensystem verfügt über zwei Modi:
In bedrohlichen Situationen, sprich unter STRESS, wird der Sympathikus aktiviert. Der Sympathikus oder das sympathische Nervensystem ist neben dem Parasympathikus Teil des vegetativen Nervensystems. Der Parasympathikus ist bei ENTSPANNUNG aktiviert.

Wenn du beispielsweise von einem Wildschwein angegriffen wirst und dich somit tatsächlich in einer bedrohlichen Situation befindest, ist der Sympathikus sehr hilfreich. Der Stress aktiviert den sympathischen Teil des vegetativen Nervensystems und pumpt deine Muskeln voll mit Energie, alles spannt sich an, das Herz schlägt schneller und die Atmung wird flacher. Du befindest dich im Überlebensmodus, im Fight or flight Modus. Für unsere Urvorfahren war das sicherlich recht hilfreich, denn dank des Zuckers, das vom Gehirn freigesetzt und in die Muskeln geschossen wird, sind wir dazu imstande, in wirklich gefährlichen Situationen zu kämpfen oder zu fliehen.
Das Blut aus unserem rational denkenden Vorderhirn wird ins Hinterhirn geschossen; so wird unser kreatives Denken eingeschränkt und wir reagieren in unserem derzeitigen Überlebensmodus instinktiv.

Jetzt kommt der Clou:
Unser Gehirn kann zwischen einer tatsächlich stattfindenden Situation und einer Geschichte, die sich lediglich in deinem Kopf abspielt nicht unterscheiden. Egal, ob du gerade tatsächlich von einem Wildschwein angegriffen wirst oder in Gedanken: In beiden Fällen wird dein Sympathikus aktiviert.
Wenn du abends in deinem kuscheligen, sicheren Bett liegst und versuchst, einzuschlafen, reicht es völlig aus, dir „nur“ GEDANKEN über negative Erlebnisse aus der Vergangenheit oder Sorgen um die Zukunft zu machen; dein Sympathikus wird aktiviert. Wann immer du also besorgt bist und Angst hast, die Kontrolle über etwas zu verlieren, ist also dein sympathisches Nervensystem aktiv.  Jedes Mal, wenn wir eine Situation als bedrohlich empfinden (und dafür können auch Gedanken professionell sorgen), aktiviert sich das sympathische Nervensystem, denn „er erhöht die nach außen gerichtete Aktionsfähigkeit bei tatsächlicher oder gefühlter Belastung„. Diese Wikipedia-Definition bringt es nochmal auf den Punkt. Wenn es sich wie im obigen Beispiel um eine „gefühlte Belastung“ handelt – du liegst also in deinem kuscheligen Bett und willst eigentlich schlafen – hat die Energie, die reaktiv von deinem Sympathikus freigesetzt wird kein Ventil; normalerweise würdest du die Energie (bei einem Wildschwein-Angriff) zum Kämpfen oder Fliehen (deshalb Fight or Flight Modus) nutzen. Da es sich in deinem Fall jedoch um eine durch Gedanken ausgelöste Fiktion handelt, ist die freigesetzte Energie überflüssig (im doppelten Sinne, „sinnlos“ und tatsächlich vorhanden; die Energie MUSS genutzt werden). Was passiert mit dieser Energie? Sie wird deinem Verstand zur Verfügung gestellt.
Und 3x darfst du jetzt raten, was dein Verstand mit dieser Energie, die nicht sinnvoll genutzt werden kann, anstellt: Yes, weitere beunruhigende Gedanken produzieren. 
Das passiert alles unkontrolliert! Denke daran, du hast keinen Einfluss auf dein vegetatives Nervensystem, das den Sympathikus REAKTIV auf die bedrohlich empfundene Situation (egal, ob tatsächlich stattfindend oder „nur“ in Gedanken) aktiviert. Dein Sympathikus steuert. Genauso wenig, wie du sagen kannst „ich verdaue“, kannst du sagen „ich denke“. Das Denken passiert dir einfach.

Wenn du gerade nicht aus diesem katastrophalen Gedankenkarussell rauskommst, voller Sorge und Kummer bist, merkst du, wie dein Herz schneller schlägt, deine Atmung flacher wird und vielleicht bekommst du irgendwie Kopf- oder sonstige Schmerzen. Soweit muss es wirklich nicht kommen. Du kannst dich da selbst wieder rausholen. Ich schwör! Das Einzige, was du tun musst, ist

Sympathikus (=STRESS) in Parasympathikus (=ENTSPANNUNG) umzuswitchen.
Dich bewusst zu entspannen. In der Ruhe liegt die Kraft.

Und wie kannst du das tun? Klar ist, dass die Energie, die das sympathische Nervensystem freisetzt,  anderweitig genutzt werden muss. Entweder du lässt sie raus, indem du ne Runde um den Block rennst oder du ATMEST.

KEEP CALM. JUST BREATHE. Einfach tief ein-und ausatmen. Wann immer du gestresst bist, wann immer du Entspannung brauchst, wähle die

478-Atemtechnik.
Sie ist ganz einfach.

1. Atme tieeeeeeeeef durch die Nase ein (Mund geschlossen halten) und zähle dabei  innerlich bis vier.
2. Halte die Luft für sieben Sekunden an.
3. Atme langsam durch den Mund aus (Forme ein ‚U‘ mit den Lippen und lasse die Luft ganz langsam raus) und zähle dabei bis acht.

Beruhige dich. Sei bewusst. Sei präsent. Distanziere dich von diesem Kopfkino. Lass es bei jedem Ausatmen raus. Wiederhole diese Atemtechnik, so oft sie dir guttut. Nutze sie, wann immer du dich gefangen fühlst. Sie befreit.
Abgesehen davon, dass du deine Atmung selbstbestimmt vertiefst und ruhiger wirst, so dass dein Herz wieder normal schlägt und dein Körper wieder runterfährt, deine Muskeln sich entspannen, wird auch dein GEIST ruhiger. Er reagiert auf die Gechilltheit deines Körpers. Durch den Fokus auf die Atemtechnik, ist deine analytischer Geist nun durch Zählen und Ein- und Ausatmen abgelenkt. Du kannst atmen.

Probier’s mal aus. Durch das Atmen wendest du dich von den Gedanken ab und fokussierst dich auf das Hier und Jetzt. Du bist präsent und du bist bewusst. Du nimmst wahr, dass das nur Gedanken sind. Dass alles gut ist. Dass du ATMEST. Dass Leben durch dich fließt. Beobachte dich selbst. Und wenn du beunruhigende Gedanken hast, sei dir darüber bewusst, dass das nur Gedanken sind. Von dir produzierte Gedanken. Gedanken, die auf Erfahrungen aus der Vergangenheit basieren. Gedanken, die mit dem Hier und dem Jetzt nichts zu tun haben. Nutze deine Energie BEWUSST. Atme ein, atme aus. Just breathe.

Love and Peace <3,

Deine Elifcan

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