Der Weg ist das ZIEL – Wie du den Weg zum Ziel meisterst / Ziel erreichen auf dem Jakobsweg und Ziel erreichen auf dem Lebensweg

Es heißt ja immer: In der Ruhe liegt die Kraft. Dass das nicht nur eine gut gemeinte Floskel, sondern pure Wahrheit ist, durfte ich während meiner Pilgerreise auf dem Jakobsweg erfahren. Noch nie hatte ich mich der Natur so hingegeben und mich auf den Weg gemacht, um zu meinem Kern zurückzukehren, dem schnellen Alltag zu entfliehen und in der Ruhe meine Kraft zu entdecken. Doch dieses Mal war es so weit:

Vor gut zwei Monaten machten meine geliebte Tante und ich uns auf den Jakobsweg. Pilgern ist so etwas wie Wandern, doch eigentlich ist das Ziel des Pilgerns, seinem Glauben näherzukommen und Gott wiederzufinden. So pilgern Muslime bekannterweise nach Mekka, um die Grabstätte ihres Propheten Mohammeds zu besuchen, während der Jakobsweg zum Grab des Heiligen Apostel Jakobus in Santiago de Compostela in Spanien führt. Logischerweise gab es früher keine Flugzeuge – weder nach Mekka noch nach Spanien. Also gingen die Menschen zu Fuß.

Wir haben uns weder für Mohammed noch für Jakob auf den Weg gemacht, sondern einzig und allein, weil wir dem Ganzen, was wir „Alltag“ nennen, mal entfliehen wollten. Ich mein‘, ganz ehrlich: Wir sind so darin verfangen, dass wir vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Diese Metapher passt übrigens sehr gut zu unserer Pilgerreise. Dazu später mehr.
Jedenfalls wollten meine Tante und ich schon lange den Jakobsweg gehen – jede von uns hatte natürlich ihre ganz persönlichen Gründe. Meine sind ein wenig schwierig in Worte zu fassen, denn es war viel eher ein innerer Ruf oder ein inneres Bedürfnis. Es war so, wie wenn mir eine Stimme zuflüstern würde: ‚Ey, Elifcan, dieses Chaos, das in dir herrscht, kann nur die Natur in Abwesenheit von Raum und Zeit heilen.‘

In Abwesenheit von Raum und Zeit machten wir uns also Donnerstag, den 3.Oktober 2019 auf den Weg. Es war unser erstes Mal, weshalb wir uns dafür entschieden, es erst „langsamer“ anzugehen. Aus zeitlichen Gründen nahmen wir uns 4 Tage. Selbstverständlich pilgerten wir (noch) nicht nach Spanien (was wir eines Tages machen werden!), sondern begaben uns auf den Beuroner Jakobsweg, dessen Endziel die Klosterstadt Beuron ist. Der Jakobsweg unterteilt sich sozusagen in mehrere Jakobswege, die von überall aus in Europa starten und im Endeffekt nach Spanien führen. Also nicht wundern 🙂

Jedenfalls begaben wir uns – wie bereits erwähnt – am 3.Oktober als Vorbilds-Türkinnen am Tag der Deutschen Einheit also – auf den Jakobsweg, um wieder zu unserer inneren Mitte zu finden. (Das mit den Vorbilds-Türkinnen sollte ein Scherz am Rande sein hihi)

Wir starteten in Hechingen und unser erstes Ziel war Balingen. Dieser Artikel handelt eigentlich primär davon, was es mit einem ZIEL auf sich hat, weshalb ich nicht jeden einzelnen Tag ausführlich beschreiben möchte, sondern nur das reinbringe, was damit zu tun hat.

Vorhin habe ich geschrieben: Wir sind so darin (im Alltag) verfangen, dass wir vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Und hatte angemerkt, dass diese Metapher sehr gut zu unserer Pilgerreise passt. Handy aus, Rucksack mit allem Hab und Gut, was wir brauchen druff und los ging’s. Der Tag, an dem wir mehrere Stunden von nichts anderes umgeben waren, als von Bäumen – hauptsächlich wunderschönen Tannen – und Wald, hat sich am allermeisten in meinem Gedächtnis eingeprägt. Ich werde diese Momente, die wir dort erlebt haben, die Energien, die wir inmitten der Natur gespürt haben und die Ideen, die in mir flossen, sobald ich meiner Seele diese Ruhe gönnte, nie nie nie wieder vergessen. Wir liefen da wie Hänschen Klein mitten im Wald, wir schwiegen, wir lachten, wir weinten. Wir ließen allem freien Lauf. Wir aßen unser Vesper, als wir fast verhungerten, wir hatten nur das dabei, was wir wirklich brauchten. Ja, wir waren wahre Pilger.

Es waren 3 ganze Tage mit dem ENDZIEL BEURON. Dort war ein Kloster, in dem meine Tante gerne die letzte Nacht übernachten wollte. Voll witzig, denn bis wir dort waren, dachte ich, dass wir dort mit freundlichen Nonnen abhängen würden. Doch was dann geschah, machte mir ein wenig Angst. Dazu später mehr.

Glaub‘ mir: Es ist abgefahren, auf was für Gedanken und Gefühle du kommst, wenn du dich vom Alltag abkapselst und dich der Natur hingibst!

Wie gesagt, wir machten unsere Handys aus und begaben uns auf den Weg. Als Amateure bemerkten wir schon bald, dass Wanderer und Pilger nicht grundlos einen Stock dabei hatten. Wir dachten nämlich, das sei ein Klischee – nichts als Dekoration…
…bis unsere Knie HÖLLISCH weh taten. Ein Stock hätte uns entlastet. Egal, Lektion gelernt!

Jeden Morgen setzten wir uns ein ZWISCHENZIEL, das uns quasi im Endeffekt unserem ENDZIEL BEURON näherbringen sollte. Wir machten uns auf den Weg, ohne zu wissen, wo wir unsere nächste Nacht verbringen würden. So wie Pilger das eben tun. Glaub‘ kaum, dass vor Hunderten Jahren irgendwer auf AirBnB eine Unterkunft gebucht hat 🙂
Also LOSLASSEN und VERTRAUEN war angesagt. Kontrolle LOSLASSEN und VERTRAUEN, dass da etwas ist, das für uns sorgt und uns nie allein lässt. Gott? Universum? Leben? Nenn‘ es wie du es willst – es war für uns da!

Am zweiten Tag hatten wir unseren Höhepunkt – in jederlei Hinsicht. Wir machten an diesem Tag satte 33 KILOMETER!!!!!!! Mit Sneaker und ohne Stock! Es gab Momente, in denen ich fast geweint habe – teilweise vor Freude, teilweise vor Verbitterung, weil ich einfach sowohl nervlich als auch schmerzenstechnisch an meine Grenzen stieß.
An diesem Tag aber, kamen mir die krassesten und coolsten Gedanken zu dem THEMA: ZIELE ERREICHEN. Denn darum ging es uns ja – wir setzten uns ein in diesem Fall LOKALES Ziel und erreichten dieses. Und glaub‘ mir, der Weg zu diesem Ziel war manchmal STEINIG UND SCHWER.

Diese krassen Gedanken zum Thema Ziel erreichen auf dem Jakobsweg und Ziel erreichen auf dem Lebensweg, habe ich am selben Abend in mein Pilgertagebuch reingeschrieben und möchte es hier mit dir teilen. Aber erst möchte ich noch „kurz“ erzählen, wie wir an diesem Tag einen Unterschlupf gefunden haben.

Jetzt muss ich mega lachen, während ich diese Worte tippe und meine Tante und mich sehe, wie wir völlig verheizt in einem Kaff namens Nusplingen ankamen. Es war ca. 20 Uhr, schon völlig dunkel, wir waren durch den Wald gelaufen und unsere Angst vor potentiellen Wildschweinen, die uns vielleicht angreifen könnten, hatte unseren Adrenalinpegel erhöht. Jedenfalls kamen wir in Nusplingen an und fanden einfach keine Unterkunft. Im Nachhinein erzählte mir meine Tante, dass sie während unserer Suche Ausschau gehalten und die Sparkasse gefunden hatte, in der wir ja schlafen hätten können 🙂 Na ja, irgendwann entschlossen wir uns dazu, in diesem Irgendwo im Nirgendwo ein Gasthof zu betreten, um dort mal nachzufragen. Jeder kennt diese Gasthöfe, die von früher übriggeblieben sind und Namen wie „Zum Adler“ oder „Zum Weiß-der-Kuckuck-was“ tragen. So Old School halt.

Ey, wir betreten diese Kneipe. Meine Tante ohne jegliche Hoffnung (sie hat ja im Geiste schon die gegenüberliegende Sparkasse für uns klargemacht) und ich auf meinem „Ich vertraue diesem Leben und lasse los“-Modus.
Wir treten ein. 15 alte Männer. Jeder gönnt sich ein Bier. Verraucht ohne Ende. Kippen brennen und alle schauen zur Tür. Zu den zwei exotischen Frauen, von denen die Kleinere (also ich) sagt: „Hallo. Wir sind gerade auf dem Jakobsweg und suchen eine Unterkunft.“ Ich denke innerlich: ‚Bitte, lass‘ diese Menschen keine perversen Säcke sein. Bitte.‘

Und es waren keine perversen Säcke. Es waren Menschen, die uns ZUFÄLLIG ZU-GEFALLEN sind. Einer von ihnen rief eine alte Schulkameradin an, die in der Nähe eine wunderschöne (weder verrauchte noch abgefuckte) Wirtschaft besaß und – was für ein ZU-FALL – noch ein „Notfall-Zimmer“ für die zwei Pilgerinnen übrig hatte. Wir wurden dort hingebracht und da wir sogar in einer Sparkasse übernachtet hätten, schreckte es uns NULL ab, dass es ein „Notfall-Zimmer“ war. Und das hatte seinen Grund: Das „Notfall-Zimmer“ war eine kleine süße Wohnung, die mehr bot, als wir beide brauchten. Während uns ein kuscheliges Bett, ein Wasserhahn aus dem fließend Wasser floss und einem Dach oben drauf gereicht hätte, hatten wir eine eigene Wohnung! Es machte völlig Spaß, sich dem Leben hinzugeben und zu VERTRAUEN!

Wir schlossen Bekanntschaft mit der Dame, die uns am nächsten Morgen ein fantastisches Frühstück bot, ganz viel Pferdesalbe für unsere gefühlt kaputten Knie und Gottes Segen auf unserer Weiterreise.

Na ja, jedenfalls kamen wir irgendwann an unserem ENDZIEL BEURON an. Wir waren endlich da, wo wir von Anfang an hingestrebt hatten. Wir klingelten beim Kloster. Nach gefühlt 100 Mal machte ein nicht sehr sympathischer Mönch auf. Ich will echt nichts sagen. Aber ich mag Extreme nicht. Mich stößt das ab. Ein Mönch ist für mich irgendwie gruselig. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich zwei drei Filme über den Exorzismus angeschaut hatte, aber sobald es zu religiös wird (egal welche Konfession!) hat es für mich einen Touch von: „Ähääää NEIN dongeeeeee, lieber nicht.“ Ich weiß irgendwie nicht so recht wieso, aber der Gedanke, in einem Kloster voller Mönche zu übernachten, schreckte mich irgendwie ab. Und so Gott will – es klappte nicht. HAHAHAHA.

Wir blieben natürlich nicht obdachlos, denn wer loslässt und vertraut, der findet. So fanden wir eine viiieeeel süßere Unterkunft und ließen den letzten Abend ausklingen.

Und nun, zum Abschluss:

Meine Gedanken zum Thema Ziel erreichen auf dem Jakobsweg und Ziel erreichen auf dem Lebensweg. Auf die Gedanken bin ich – wie gesagt – auf dem Jakobsweg gekommen. Teilweise ergänze ich in Klammern, was es auf dem Jakobsweg explizit gewesen ist. Es lässt sich aber EINWANDFREI auf unseren Lebensweg übertragen.

Ich gehe meinen eigenen Weg.

Manchmal ist er schmerzhaft. (KNIE!)

Manchmal spüre ich die Last, die ich mit mir trage. (RUCKSACK)

Manchmal schlage ich den falschen Weg ein.

Manchmal sagen andere (allein durch ihre Attitude):
„Oh, das ist unmöglich, Oh, das ist zu viel, Oh,…“ oder „Aber…“

Manchmal regnet es auf dem Weg.
Manchmal scheint die Sonne.

Manchmal bin ich glücklich,
manchmal habe ich keine Lust mehr.

Manchmal dauert’s länger,
manchmal geht es ganz schnell.

Manchmal ist es mühselig,
Manchmal ist es einfach.

Manchmal habe ich Zweifel,
ob das der richtige Weg ist.

Manchmal klappt es nicht wie geplant.

ABER AM ENDE KOMME ICH DA AN, WAS FÜR MICH VORBESTIMMT IST.

Denn:
ALLES FÜGT SICH!

Ich gehe mit dem FLUSS DES LEBENS.

Vergiss‘ nie, dass du allein über die Macht verfügst, dort anzukommen, wo du willst. Du bist mutig. Du bist stark. Und du kannst. Du darfst. Du wirst.

2 Kommentare zu „Der Weg ist das ZIEL – Wie du den Weg zum Ziel meisterst / Ziel erreichen auf dem Jakobsweg und Ziel erreichen auf dem Lebensweg

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