Die Sache mit der Selbstliebe ist eine relativ komplexe Angelegenheit. Eigentlich sollst du dich selbst einfach liebhaben und dankbar sein, dieses Leben in diesem Körper leben zu dürfen. Du sollst dich mit all deinen Facetten – den tollen, aber auch mit den beschissenen – umarmen und dich so annehmen, wie du bist. Du sollst dir selbst tolles tun, dir viel Ruhe und Entspannung gönnen, aber auch all das, was dein Herz zum Tanzen bringt und dir Freude bereitet. 

Du sollst das Leben also in vollen Zügen genießen und jeden Tag zu deinem besten machen. Wir sind alle Profis darin, schlaue Sprüche zu klopfen, weisen Zitaten zuzustimmen und unseren Liebsten tolle, gut gemeinte Ratschläge zu geben, was die Führung ihres Lebens angeht. Doch wenn es um uns selbst geht – insbesondere darum, sich selbst zu lieben und zu ehren – da scheitern die meisten. 

Viele verwechseln Selbstliebe mit Egoismus. Ich hatte schon oft Gespräche über dieses Thema. Es ging häufig darum, wie man entscheiden soll, wenn man beispielsweise keine Lust hat, jemandem zu helfen, weil es einem selbst einfach nicht gut geht (mental/physisch) und man lieber seine Ruhe möchte. Sollen wir uns dann für oder gegen uns selbst entscheiden? Ich sag’s mal so: Eigentlich weißt du immer ganz genau, was das Richtige für DICH ist. Dein HERZ kennt die Antwort und es sagt dir eigentlich klar und deutlich entweder: “Ja, hilf’ dieser Person – denn es ist echt dringend” oder eben “Hey, schau bitte erst mal nach mir bzw. dir – die Person kommt schon selbst zurecht.Du bist nicht Mutter Teresa.” 

Der Grat zwischen Hilfsbereitschaft und Sich-Selbst-Aufopfern ist sehr sehr schmal. Manchmal braucht eine geliebte Person einfach deinen Beistand, aber manchmal nutzen diese geliebten Personen deine Opfergaben in Form deiner Selbst aus. Vielleicht nicht böswillig, aber sie tun es. Und eines Tages brauchst du diese Menschen, weil bei dir die Kacke am Dampfen ist und du merkst, dass sie an ihren eigenen Arsch denken. Im Gegensatz zu dir. Und du bist ENT-TÄUSCHT – die Täuschung ist aufgehoben. 

Das ist etwas Tolles, sogar etwas sehr Tolles. Nun weißt du, dass tatsächlich jeder erst an sich selbst denkt und davon darfst du dir gerne eine Scheibe abschneiden. Selbstliebe bedeutet in erster Linie, sich selbst all das zu geben, was man von anderen erwartet. LIEBE, WERTSCHÄTZUNG, AUFMERKSAMKEIT, RESPEKT, ANERKENNUNG usw. 

Gestern habe ich meine Eltern zu Hause besucht und es ist etwas mega Cooles passiert. “Zufällig” (ich glaube nicht an Zufälle – die Dinge fallen uns aus einem bestimmten Grund zu) habe ich mein Tagebuch aus dem Jahr 2002 gefunden. Ich habe mich gefreut wie ein Schwein! Gib’ dir das mal – da sind all meine Gedanken von vor 18 Jahren drin! Für mich ein unverwechselbarer Schatz. Als ich wieder zu Hause war, habe ich es mir gemütlich gemacht, mir einen Tee gekocht, meine Wärmeflasche befüllt und meine eigene Lektüre gelesen.  

Ey, was ich darin vorgefunden habe, hat mich ein wenig erschrocken. Also primär war es megacool, dass ich als jetzt junge Frau meinem jüngeren Ich “zuhören” und mal erforschen konnte, was mich damals so beschäftigt hat. So ist es mir nämlich möglich, abzuleiten, wieso ich heute noch obige Enttäuschungsmomente erlebe.

Ich war als Kind dick. Alles in meinem Leben hat sich darum gedreht. In fast jedem Tagebucheintrag steht was von Diät, Sport und Ernährung drin. Ich war 10! Ein 10-jähriges Kind soll das Leben genießen und sich selbst feiern – nicht sich fett fühlen und dafür abwerten. Als ich diese Seiten gelesen habe, ist mir bewusst geworden, dass ich meinen Selbstwert und somit auch die Liebe zu mir selbst einzig und allein von meinem Gewicht abhängig gemacht habe. Ich habe mich während des Lesens daran erinnert, wie ich sowohl in der Schule als auch im Freibad gedisst und ausgelacht worden bin. Klar, dass sich ein 10-jähriges Kind da fehl am Platz fühlt.  

Wirklich, JAHRELANG war dieses Muster so so tief in mir verankert, dass ich bis heute – 18 Jahre später und 25 Kilo leichter – immer noch Probleme mit dem Selbstwert und der Selbstliebe habe.  

Abgesehen davon, dass es scheißegal ist, wie viel jemand wiegt und wie dünn oder dick jemand ist – ich weiß, dass es leider nur sehr wenige Menschen gibt, die sich selbst wirklich lieben. 

Wahre Selbstliebe bedeutet meines Erachtens nicht, dass ich denke, ich sei die Geilste auf dieser Welt. Wahre Selbstliebe bedeutet nicht, dass ich mich selbst auf einen Sockel stelle und alle von oben herab behandle. Wahre Selbstliebe bedeutet nicht, dass ich auf alles und jeden scheiße und nur noch an meinen eigenen Arsch denke. 

Wahre Selbstliebe bedeutet, dass ich mich selbst umarme – egal, was ich angestellt habe. Egal, was mein doofer Verstand mir versucht einzureden. Egal, ob’s anderen passt, wie ich mich gerade verhalte oder nicht. Wahre Selbstliebe bedeutet, dass ich für mich selbst EINSTEHE. Dass ich mir all das gebe, was mir fehlt. Habe ich Hunger? Also koche ich mir was Leckeres. Bin ich gestresst? Also gönne ich mir eine Mütze Schlaf. Bin ich traurig? Also nehme ich mir die Zeit und höre mir selbst zu. Kotzt mich jemand an? Also entferne ich mich von diesem Jemand und vermeide sie/ihn. 

Wahre Selbstliebe bedeutet, dass ich ACHTSAM mit mir selbst umgehe und mich behüte. Wahre Selbstliebe bedeutet, dass ich mich in all meinen Phasen annehme und umarme. Ey, sogar der MOND – dieser herrliche Himmelskörper – hat seine Phasen. Mal leuchtet er in seiner vollen Pracht, mal ist er ganz schmal und scheint verletzlich.  

Wahre Selbstliebe heißt, dir selbst dein/e allerbeste/r Freund/in zu sein. Das innere Gebabbel deines Verstandes BEWUSST abzuschalten und der WEISHEIT DEINES HERZENS zu lauschen. Dein Herz kennt den Weg. Immer. Eigentlich musst du einfach nur die Augen schließen. 5 Mal tiiiief ein-und ausatmen. Und damit dein Verstand den Mund hält, konzentrierst du dich dabei bestenfalls auf deine Bauchdecke, die sich bei jedem Atemzug auf und ab bewegt – dann ist dein Verstand damit beschäftigt zu beobachten. Dann entspannst du dich ganz einfach immer mehr und mehr. Und dann bringst du deine Aufmerksamkeit in dein Herz. Dein energetisches Herzzentrum ist inmitten deiner Brust. Hörst du den Beat deines Herzens? Dieses Herz schlägt am Tag Hunderttausende Male für dich. Weil es dich liebt. Weil es weiß, dass das Leben mehr für dich übrig hält. 

Ich weiß nicht, wie du mein/e liebe/r Leser/in zu dir selbst stehst. Aber ich weiß, dass die ALLERWICHTIGSTE Beziehung, die du in diesem Leben führst, die Beziehung zu dir selbst ist. Du musst erst dich selbst lieben. Dann kommt der Rest. 

Erstens, weil sonst kein anderer dich lieben kann. 

Zweitens, weil du sonst keinen anderen wirklich lieben kannst. 

Zu erstens möchte ich ergänzen, dass du auf energetischer Ebene ausstrahlst, wie du zu dir selbst stehst. Das spüren die anderen. Und je nachdem, ob du dich selbst liebhast oder eben nicht, lädst du deine Mitmenschen dazu ein, dich wahrlich zu lieben oder scheiße zu behandeln.  

Du musst für dich selbst einstehen, sonst macht das keiner. Es ist deine Verantwortung auf dein HERZ aufzupassen! 

Vergiss’ nicht, dass du nicht per Zufall auf dieser Erde in diesem Leben gelandet bist! Du bist einzigartig. Und mega besonders. Ich auch. X auch. Und ja, Y auch. 

Aber nur, wenn du selbst das erkennst, und beginnst, dich deiner ANZUNEHMEN und zu UMARMEN, kannst du diese Einzigartigkeit auch mit der Welt teilen.  

Tritt für dich selbst ein. Nimm’ dich so an, wie du bist und schreite voran. Du wirst dort ankommen, wo du ankommen willst. Dieses Leben meint es gut mit dir. Sonst würdest du gerade nicht im Warmen sitzen und diesen Text lesen. Sei dein eigener homie und behandle dich ganz einfach so, wie du einen unendlich geliebten homie behandeln würdest.
(homie=engl. für Kumpel) 

Arbeite an dir selbst – das Leben ist ein Prozess und Unzufriedenheit ist da, um daraus Zufriedenheit und Freude zu machen. 

GIB’ NIEEEEEMALS AUF. 

Ich habe niemals aufgegeben. Und ich habe den Körper erschaffen, von der die 10-jährige Elifcan geträumt hat. Und ich bin auf dem besten Weg, mich zu 100% SELBST ZU LIEBEN.  

(Mittlerweile bin ich bei schätzungsweise 91% angekommen.) 

Ich will gerade nicht angeben, sondern dir sagen:  

Was ich kann, kannst du auch, amigo! 

Pass’ auf dich auf und hab dich bitte lieb! 

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9 Kommentare

  1. ein sehr schöner artikel zu einem sehr wichtigen thema, das vor allem bei frauen (aber wohl zunehmend auch bei männern) oft einen großen teil des lebens beherrscht. ich muss da oft an dieses lied von whitney houston denken, the greatest love of all <3 achtsamer umgang, ein mittlerweile manchmal zuviel benutztes, aber doch sehr wahres wort dazu.

    1. danke erst einmal – freut mich, dass dir der Artikel gefällt!:)
      Das Lied kenne ich gar nicht – höre mir es später mal an.

      Ein achtsamer Umgang ist das A und O finde ich. Nur so können wir uns unserer Selbst bewusst sein und uns lieben.

      1. Oh echt nicht? Na ich bin gespannt wie es dir gefällt!

        Ja das stimmt. Ich hab mich bisher wenig aktiv mit diesem Thema befasst – zumindest in dieser Begrifflichkeit – aber es taucht immer öfter auf und ich finde es sehr interessant!

      2. Wieso es wohl immer öfter auftaucht? 😉

        Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, sich aktiv mit diesem Thema zu befassen!

        Hab einen schönen Tag!

      3. das ist es bestimmt 🙂 es hat sich auch ganz unbewusst schon in mein denken, fühlen und handeln geschlichen, ich hatte lange nur noch keinen begriff dafür.

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